GESCHICHTE "KZ- AUSSENLAGER "WILLE"





Zeittafel

Quelle:Otto Brenner Stiftung

http://www.otto-brenner-shop.de



1939: Das Werk Tröglitz bei Zeitz der Braunkohle-Benzin AG (Brabag) nimmt die Produktion auf.

Mai 1944: Nach Bombenangriffen fordert die Brabag in Buchenwald KZ-Häftlinge für Aufräumarbeiten an.

4. Juni 1944: Erster Transport von KZ-Häftlingen aus Buchenwald in das Außenlager „Wille“ bei den Brabag-Werken Tröglitz.

31. Dezember1945: In der Nacht zum 1. Januar 1945 wird das Lagers „Wille“ nach Rehmsdorf verlegt.

6. April 1945: Auflösung des Lagers Rehmsdorf und Abtransport der Häftlinge nach Theresienstadt.

12. April 1945: Amerikanische Truppen besetzen Rehmsdorf.

17. April 1945: Massaker an den Rehmsdorfer Häftlingen in Reitzenhain.

 

8. Mai 1945: Befreiung des KZ Theresienstadt.

1946: Errichtung eines Gedenksteins für die Opfer des Außenlagers „Wille“ auf dem Rehmsdorfer Friedhof.

20. Juni 1997: Eröffnung der Rehmsdorfer Heimatstube.


In Rehmsdorf bestand 1945 für gut vier Monate ein Außenlager des KZ Buchenwald mit dem Decknamen „Wille“.

Die Häftlinge wurden für Räum- und Reparaturarbeiten der Braunkohle-Benzin AG Brabag) in Zeitz eingesetzt. Zunächst waren die damals über 2.000 KZ-Häftlinge in einem Zeltlager in Tröglitz an der Straße nach Rehmsdorf untergebracht.

Wegen der anhaltenden Luftangriffe auf die Brabag-Werke und das KZ-Außenlager sollte das Zeltlager aufgelöst und ein festes Barackenlager in Rehmsdorf an der Bahnhofstraße gebaut werden.

Für den Bau des Lagers Rehmsdorf auf dem Gelände der ehemaligen Chemischen Fabrik wurden

Häftlinge des Außenlagers „Wille“ eingesetzt. In kurzer Zeit wurde das Fabrikgelände zu einem Konzentrationslager mit 18 Baracken umgestaltet.

Zehn Baracken waren für die Unterbringung von 4.000 Zwangsarbeitern vorgesehen. Das Lager war mit einem Stacheldrahtzaun, Starkstromleitungen und Wachtürmen mit Maschinengewehren und Scheinwerfern gesichert.

In der Nacht von 31. Dezember 1944 zum 1. Januar 1945 zogen die Häftlinge in das Lager ein.

Sie fanden hier sehr schlechte Bedingungen vor.

Pro Baracke sollten 450 von ihnen untergebracht werden.

Die Baracken waren feucht, weil die frischen Betondecken und –wände Wasser ausschwitzten.

Ihre dünne Häftlingskleidung bot den Gefangenen keinen Schutz vor der kalten

Feuchtigkeit. Außer ihrer Kleidung, einer abgenutzten Decke, zerlumpten Schuhen, einem Blechnapf

und einem Löffel besaßen die Häftlinge nichts. Mit ihrem Einzug in das Lager Rehmsdorf verschlechterte sich ihre Lage nochmals, weil sie jetzt auch noch täglich ca. 3 km zur Arbeit bei den Brabag-Werken laufen mussten.

Verpflegt wurden sie mit täglich 125 Gramm Brot, 1,25 l Wassersuppe und etwas Marmelade.

Unter diesen Bedingungen mussten die Häftlinge schwerste körperliche Arbeit leisten. Bei den Brabag-Werken wurden sie eingesetzt für: Verlegung von Erdkabeln, Bunkerbau, Gütertransporte aller Art, Gleisräumung und -reparatur sowie bei der Isolierung zerstörter Rohrleitungen.

Ein Teil von ihnen wurde beim Bau von bombensicheren Stollen in Rehmsdorf und Tröglitz eingesetzt.

Im Januar 1945 halfen Häftlinge nach einem Bombenangriff in Rehmsdorf bei der Beseitigung von Bombenschäden.

Nach den zahlreichen Bombenangriffen auf die Brabag-Werke wurden die Häftlinge für die Entschärfung der Blindgänger eingesetzt.

Am 6. April 1945 wurde das Lager „Wille“ aufgelöst. Auf keinen Fall sollten die heranrückenden Amerikaner hier noch Zwangsarbeiter vorfinden. Die Häftlinge wurden aus dem Lager zum Bahnhof getrieben.

Sie sollten auf Befehl der SS per Bahn nach Theresienstadt gebracht und dort ermordet werden. Wegen der einige Tage vorher erfolgten Bombenangriffe auf den Bahnhof Rehmsdorf und die Gleisanlagen war nur ein Abtransport in Richtung Altenburg möglich.





Die ca. 4000 Häftlinge 48 wurden in Kohlenwagen abtransportiert.

Sie wurden von der SS in die Wagons gepfercht, die für den Transport der Menschen in keiner Weise genügend Platz boten. Wegen fortgesetzter

Bombenangriffe musste der Zug mehrfach halten.

Die Häftlinge bekamen kaum Nahrung und kein Trinkwasser.

Endstation des Transports war der Bahnhof in Reitzenhain.

Hier versuchten Häftlinge zu fliehen.

Einige Hundert von ihnen wurden von der SS aufgegriffen und erschossen.

Der Eisenbahntransport, das Massaker in Reitzenhain und der anschließende Todesmarsch nach Theresienstadt forderten weit über 1.000 Todesopfer.

Den Tag ihrer Befreiung am 8. Mai 1945 erlebten nur etwa 1.000 der Häftlinge des KZ-Außenlagers „Wille“.

Die Geschichte des KZ-Außenlagers „Wille“ wird heute in der Rehmsdorfer Heimatstube dokumentiert.

Nach Absprache sind Führungen zum Gedenkstein am Bahnhof, zum Barackenlager und durch die Heimatstube möglich.

Für Gruppen und Schulklassen werden mehrere Vorträge zu verschiedenen Themenkomplexen des KZ-Lagers angeboten-----